Frage: Majestät, Ihr habt das alte Ungarn ins christliche Abendland geführt. War das für Euch mehr Politik oder mehr Glaube?
Stephan: „Für mich war es kein Entweder-oder. Ich habe schnell erkannt: Ein Volk ohne festen Glauben treibt wie ein Boot ohne Steuermann. Natürlich war es auch kluge Politik, sich mit den Reichen im Westen zu verbinden – aber es ging mir um mehr. Ich wollte, dass die Menschen verstehen, dass sie nicht nur für heute leben, sondern auch für ihr ewiges Ziel. Das Schwert kann Grenzen sichern, aber es kann kein Herz bekehren.“
Frage: Viele eurer Untertanen waren nicht begeistert von dieser „neuen Ordnung“. Hattet Ihr Zweifel?
Stephan: „Zweifel? Natürlich. Ich wusste, dass ich tief in die alten Gewohnheiten meines Volkes eingreifen würde. Einige sahen in mir den König, andere den Verräter ihrer Väter. Ich versuchte zuerst Geduld: Lehrer in die Dörfer, Priester, die die Messe nicht nur in Latein, sondern in der Sprache des Volkes hielten. Aber es gab auch Aufstände. Wenn sich jemand gegen den Glauben stellte, war das eine Sache. Wenn er aber die Ordnung und den Frieden des Reiches bedrohte, musste ich hart reagieren. Ein König, der nie hart ist, wird von der Geschichte verschluckt.“
Frage: Eure Gesetze galten als fortschrittlich – und als streng. Wie habt Ihr den richtigen Ton gefunden?
Stephan: „Ich habe versucht, sie wie ein Pflug anzulegen: tief genug, um das Unkraut zu entfernen, aber nicht so tief, dass das Feld zerstört wird. Es ging nicht darum, die Menschen zu brechen, sondern sie zu formen. Gesetze ohne Barmherzigkeit sind Tyrannei. Barmherzigkeit ohne Gesetz ist Anarchie. Zwischen diesen beiden Ufern muss ein Herrscher sein Schiff steuern.“
Frage: Was würdet Ihr einem heutigen Regierungschef raten?
Stephan: „Dass Macht keine Beute ist, sondern eine Bürde. Man muss bereit sein, dafür zu leiden – und zu verzichten. Manchmal ist die richtige Entscheidung die unpopuläre. Und wenn du nur regierst, um geliebt zu werden, wirst du am Ende weder geliebt noch respektiert.“
Frage: Wie wollt Ihr in Erinnerung bleiben?
Stephan: „Als einer, der sein Volk nicht nur zu einer Krone, sondern zu einem Glauben geführt hat. Meine Siege auf dem Schlachtfeld zählen wenig, wenn ich die Herzen nicht gewonnen habe. Am Ende zählt nicht, was auf den Bannern steht, sondern was in den Seelen geschrieben ist.“
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