777 Jahre Grundsteinlegung Kölner Dom - Interview mit Erzbischof Konrad von Hochstaden


Ein fiktives Interview mit dem Grundsteinleger des Kölner Doms. Dem Erzbischof, der bis heute in Köln eine unglaubliche Präsenz hat. Kein guter Mittelalter-Krimi ohne Konrad von Hochstaden.

Journalist: Herr Erzbischof, Sie haben 1248 den Grundstein des Kölner Doms gelegt, aber zugleich Kriege gegen Städte und Fürsten geführt. Was war Ihnen wichtiger – der Bau des Gotteshauses oder die Sicherung Ihrer Macht?

Konrad von Hochstaden:

Beides war untrennbar verbunden. Der Dom ist nicht nur ein Haus Gottes, sondern auch ein sichtbares Zeichen der Macht und des Anspruchs des Erzstifts Köln. Als Reichsfürst konnte ich mir keine Schwäche leisten. Der Bau war eine Botschaft – an die Bürger Kölns, an den Kaiser, an die Nachbarfürsten. Er zeigte: Hier steht ein geistliches Zentrum, das auch politisch Gewicht hat.

Gleichzeitig musste ich meine weltlichen Besitzungen verteidigen. Ein Erzbischof, der seine Ländereien verliert, verliert auch Einfluss auf die Kirche. Manche mögen das für weltliche Eitelkeit halten – ich nenne es Verantwortung für das Bistum.


Journalist: Kritiker werfen Ihnen vor, Sie hätten den Kaiser verraten. Erst standen Sie auf der Seite Friedrichs II., dann gegen ihn. War das nicht opportunistisch?

Konrad von Hochstaden:

Opportunismus? Nein. Politik ist die Kunst, im rechten Moment die richtigen Bündnisse zu schließen – und zu lösen. Friedrich II. war ein mächtiger Herrscher, aber er führte einen Kampf gegen den Papst, gegen die Einheit von Christenheit und Kirche. Als Reichsfürst und Bischof stand ich in einem doppelten Treueverhältnis: zum Kaiser und zum Heiligen Vater in Rom. Als der Konflikt unversöhnlich wurde, musste ich mich entscheiden.

Man wird in der Geschichte oft nur für Loyalität gelobt, wenn man dabei untergeht. Ich aber habe lieber das Reich und die Kirche vor einem Bruch bewahrt – zumindest, wie ich es verstand.


Journalist: Dennoch – Ihr Wechsel hat den Krieg verschärft. Sie haben Städte belagert, Menschen litten Hunger. Wie rechtfertigen Sie das als Geistlicher?

Konrad von Hochstaden:

Der Friede Gottes ist ein hohes Gut – aber es ist ein Friede, der verteidigt werden muss. Die Menschen sehen nur das Feuer der Belagerung, nicht die Intrigen, die im Schatten geschmiedet werden. Eine unbotmäßige Stadt wie Köln konnte sich nicht einfach von der Herrschaft des Erzbischofs lossagen, ohne die Ordnung zu gefährden.

Ich gebe zu, dass Krieg Leid bringt. Doch eine Stadt, die sich der geistlichen und weltlichen Obrigkeit widersetzt, riskiert Schlimmeres: Chaos, Zersplitterung, endlose Fehden. Ich habe gehandelt, um ein größeres Unheil zu verhindern – so wie ein Arzt ein Glied amputiert, um das Leben zu retten.


Journalist: Viele Zeitgenossen hielten Sie für machtbewusst, ja machthungrig. War das Amt für Sie nicht vor allem ein Weg zu persönlichem Ruhm?

Konrad von Hochstaden:

Macht ist ein Werkzeug. In schwachen Händen bringt sie Verderben, in starken Händen Ordnung. Wenn ich als machthungrig gelte, dann nur, weil ich mich nicht scheute, sie zu gebrauchen. Ruhm? Vielleicht. Aber glauben Sie mir: Ruhm ist flüchtig. Was bleibt, ist, ob man das Reich, die Kirche, die Städte gestärkt oder geschwächt zurücklässt.

Ich wollte nicht nur über Land und Leute herrschen, sondern ihnen eine feste Ordnung hinterlassen. Ob man mich dafür liebt oder hasst, ist am Ende Sache der Chronisten.


Journalist: Zum Schluss – was würden Sie Ihren Nachfolgern raten?

Konrad von Hochstaden:

Seid wachsam. Die Welt verändert sich schneller, als die Türme wachsen. Städte werden selbstbewusster, Kaufleute reicher, Ritter unabhängiger. Der Erzbischof von Köln muss mehr sein als ein Hirte: Er muss Diplomat, Stratege und – wenn es sein muss – Kämpfer sein.

Und vergesst niemals: Der Dom, den ihr baut, ist nicht nur für Gott. Er ist auch für jene, die nach euch kommen und wissen sollen, dass ihr nicht untätig wart.

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