Auf den ersten Blick scheint die Antwort einfach zu sein: das Land am Rhein. Doch bei genauerem Hinsehen wird schnell deutlich, dass das Rheinland keine fest umrissene Region mit festen Grenzen ist. Anders als Bayern oder Sachsen war das Rheinland nie ein eigenständiges Land. Vielmehr handelt es sich um eine historische und kulturelle Landschaft, deren Ausdehnung sich im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verändert hat.
Heute verbinden viele Menschen mit dem Rheinland vor allem die große Rheinschiene zwischen Bonn, Köln und Düsseldorf. Diese Städte bilden zweifellos das Herz des Rheinlandes. Doch das Rheinland reicht deutlich weiter.
Historisch entstand der Begriff „Rheinland“ vor allem im 19. Jahrhundert. Nach dem Wiener Kongress von 1815 fielen die linksrheinischen Gebiete sowie zahlreiche rechtsrheinische Territorien an Preußen. Diese westlichen Provinzen des Königreichs wurden als „Rheinprovinz“ verwaltet. Dadurch entstand ein gemeinsames rheinisches Bewusstsein, das bis heute nachwirkt.
Im Westen gehören auch Aachen und die gesamte Euregio-Region zum Rheinland. Aachen war jahrhundertelang eine der bedeutendsten Städte des Heiligen Römischen Reiches und ist kulturell und historisch eng mit dem Rheinland verbunden. Auch der Niederrhein mit Städten wie Krefeld, Kleve oder Wesel wird traditionell zum Rheinland gezählt.
Nach Süden wird die Abgrenzung schwieriger. Koblenz gilt allgemein noch als rheinisch. Die Stadt liegt am Zusammenfluss von Rhein und Mosel und war ein wichtiges Zentrum der preußischen Rheinprovinz. Weiter südlich beginnt jedoch ein Übergangsraum. Trier besitzt zwar eine lange gemeinsame Geschichte mit den linksrheinischen Gebieten und gehörte ebenfalls zur preußischen Rheinprovinz. Dennoch wird die Stadt heute häufig eher der Moselregion als dem eigentlichen Rheinland zugerechnet. Je nach Betrachtungsweise kann Trier also noch zum Rheinland gezählt werden oder bereits als eigene Region gelten.
Auch rechts des Rheins endet das Rheinland nicht unmittelbar am Fluss. Das Bergische Land mit Städten wie Solingen, Remscheid und Wuppertal gehört traditionell dazu. Ebenso werden Bonn-Beuel, Siegburg und Teile des Rhein-Sieg-Kreises als rheinisch verstanden. Weiter östlich gehen die rheinischen Einflüsse allmählich in die westfälische Kulturlandschaft über. Eine scharfe Grenze existiert nicht. Oft wird die historische Grenze zwischen Rheinland und Westfalen etwa entlang des Sauerlandes und des Ruhrgebietes gezogen.
Letztlich lässt sich das Rheinland weniger durch exakte Linien auf einer Karte definieren als durch gemeinsame Geschichte, Sprache, Mentalität und Kultur. Wer Kölsch, Düsseldorfer Altbier, rheinischen Karneval, die Geschichte der Rheinprovinz oder die großen Städte entlang des Stromes betrachtet, erkennt schnell, dass das Rheinland weit mehr ist als nur die Rheinschiene zwischen Köln und Düsseldorf. Es reicht vom Niederrhein an der niederländischen Grenze über Aachen und die Kölner Bucht bis nach Koblenz und in manchen Definitionen sogar bis Trier. Rechtsrheinisch umfasst es das Bergische Land und die angrenzenden Gebiete, bevor es allmählich in Westfalen übergeht.
Das Rheinland ist daher weniger ein exakt vermessener Raum als vielmehr eine gewachsene Kulturlandschaft – geprägt vom Rhein, aber nicht auf seine unmittelbaren Ufer beschränkt.

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