Der selige Markus von Aviano (1631–1699) gehörte zu den am besten vernetzten Kapuzinern seiner Zeit. Er stand in Verbindung mit Papst Innozenz XI., Kaiser Leopold I., König Johann III. Sobieski, Karl V. von Lothringen, dem Dogen von Venedig sowie weiteren Fürsten, Diplomaten und kirchlichen Würdenträgern. Seine erhaltene Korrespondenz spiegelt dieses Netzwerk wider. Der folgende Beitrag stützt sich bewusst nur auf vier Briefe – zwei aus dem Jahr 1681 (4. Mai/19. Juni) sowie zwei aus dem Jahr 1695 (9. November/19. Dezember) –, um zu fragen, welches Bild des Kapuziners diese Quellen vermitteln.
Die beiden Briefe aus dem Jahr 1681 zeigen Markus zunächst als geistlichen Begleiter Kaiser Leopolds I. Der Kaiser empfiehlt sich seinen Gebeten und berichtet ihm in persönlichem Ton von seiner Familie. Markus antwortet als Seelsorger. Er ermahnt Leopold, sein Vertrauen auf Gott zu setzen, öffentliche Gebete zu fördern und für ein christliches Leben im Reich Sorge zu tragen. Politik erscheint hier ganz aus einer geistlichen Perspektive.
Anders wirken die beiden Briefe aus dem Jahr 1695. Leopold berichtet Markus ausführlich über den zurückliegenden Feldzug gegen die Osmanen, über Truppenbewegungen, Verluste, die Lage in Siebenbürgen und die angespannte Finanzierung des Heeres. Bemerkenswert ist seine ausdrückliche Bitte, Markus möge ihm weiterhin mit seinen „guten Ratschlägen“ beistehen. Der Kaiser schreibt damit nicht nur an einen Prediger, sondern an einen vertrauten Gesprächspartner.
Markus greift diese Bitte auf. Er empfiehlt, die Vorbereitungen für den nächsten Feldzug rechtzeitig abzuschließen, damit das Heer bereits im Mai einsatzbereit sei. Außerdem rät er, genügend eigene Truppen bereitzuhalten und sich nicht zu sehr auf fremde Hilfskräfte zu verlassen. Seine Überlegungen begründet er religiös, beziehen sich aber unmittelbar auf die Vorbereitung der kommenden Kampagne.
Am Ende desselben Briefes kündigt Markus an, nach Venedig zu reisen, wo er auf Wunsch des Dogen predigen werde. Zugleich lässt er erkennen, dass er seine Kontakte auch dort im Sinne der gemeinsamen Sache nutzen will. Die Bemerkung fügt sich in das Bild eines Kapuziners ein, der sich selbstverständlich zwischen Rom, Wien und Venedig bewegte und dessen persönliches Netzwerk weit über das Kloster hinausreichte.
Diese vier Briefe erlauben keine vollständige Beurteilung der gesamten Korrespondenz. Sie zeigen jedoch eindrucksvoll, warum Markus von Aviano im politischen Leben seiner Zeit eine besondere Stellung einnahm. Seine Autorität beruhte auf persönlichem Vertrauen. Gerade dadurch gewann er Zugang zu den maßgeblichen politischen Entscheidungsträgern Europas. Die Briefe machen den Seligen nicht als legendären Wundertäter greifbar, sondern als einen Kapuziner, dessen geistliche Autorität ihn zu einem anerkannten Gesprächspartner von Kaisern, Königen und Fürsten werden ließ.
Gedenktag: 13. August

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