Junípero Serra – Missionar und Kolonisator


Junípero Serra wurde am 24. November 1713 unter dem Namen Miquel Josep Serra i Ferrer in dem kleinen Dorf Petra auf der spanischen Insel Mallorca geboren. Er stammte aus einer bescheidenen Bauernfamilie, zeigte aber schon früh eine besondere Begabung für das Lernen. Im Alter von 16 Jahren trat er dem Franziskanerorden bei und nahm den Ordensnamen „Junípero“ an, benannt nach einem Gefährten des heiligen Franz von Assisi. Nach seiner Ausbildung wurde Serra ein angesehener Theologieprofessor an der Universität von Palma, wo er Philosophie und scholastische Theologie unterrichtete. Trotz einer sicheren akademischen Karriere verspürte er den inneren Ruf zur Missionstätigkeit in der Neuen Welt.

Im Jahr 1749 verließ Serra Spanien und reiste nach Neu-Spanien, dem heutigen Mexiko. Die Überfahrt war beschwerlich, und nach seiner Ankunft begann er seine Arbeit unter den indigenen Völkern der Sierra Gorda im nördlichen Zentralmexiko. Dort lernte er die Otomí kennen und wirkte nicht nur als Missionar, sondern auch als Lehrer und Organisator. In dieser Zeit entwickelte er eine tief religiöse, aber auch paternalistische Haltung gegenüber den indigenen Kulturen – eine Haltung, die ihn sein ganzes Wirken lang begleitete.

1767 wurden die Jesuiten aus den spanischen Kolonien vertrieben, und die Franziskaner übernahmen viele ihrer Missionsstationen. Im Zuge dieser Umstrukturierung wurde Serra 1769 zum Leiter der spanischen Missionsbemühungen in Alta California ernannt – ein Gebiet, das damals noch kaum erschlossen war und heute den US-Bundesstaat Kalifornien umfasst. Ziel der spanischen Krone war es, das Land durch Missionen, militärische Präsenz und Kolonisierung zu sichern und die einheimische Bevölkerung in das spanisch-katholische Gesellschaftssystem einzugliedern.

Zwischen 1769 und 1782 gründete Junípero Serra neun der insgesamt 21 kalifornischen Missionen, darunter die ersten in San Diego, Monterey, San Gabriel und San Luis Obispo. Die Missionen waren religiöse, wirtschaftliche und kulturelle Zentren, in denen indigene Völker unterrichtet, getauft, zum Christentum bekehrt und zur Arbeit angeleitet wurden. Serra selbst legte oft große Entfernungen zu Fuß zurück, um neue Standorte zu erschließen, Kirchen zu bauen und mit Behörden zu verhandeln. Trotz gesundheitlicher Probleme – unter anderem litt er unter einer chronischen Beinverletzung – war er äußerst aktiv und beharrlich in seinem Vorhaben.

Doch sein Wirken ist nicht unumstritten. Während er von vielen Katholiken und Historikern als der „Vater Kaliforniens“ verehrt wird, kritisieren andere seine Rolle in der gewaltsamen Umwandlung indigener Lebensweisen. Die Missionen führten zu tiefgreifenden kulturellen und sozialen Einschnitten bei den einheimischen Völkern. Viele wurden gegen ihren Willen christianisiert, in die Missionsstationen umgesiedelt und zur Arbeit verpflichtet. Zudem führten eingeschleppte Krankheiten, mangelnde medizinische Versorgung und soziale Desintegration zu einem drastischen Rückgang der indigenen Bevölkerung.

Junípero Serra starb am 28. August 1784 in der Mission San Carlos Borromeo de Carmelo bei Monterey, Kalifornien. Er wurde in der dortigen Kirche beigesetzt. Sein Lebenswerk wurde über Jahrhunderte hinweg von der katholischen Kirche gewürdigt. 1988 wurde er von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen, und am 23. September 2015 erfolgte seine Heiligsprechung durch Papst Franziskus während dessen Besuch in den Vereinigten Staaten – als erster Heiliger, der auf US-amerikanischem Boden kanonisiert wurde. (Gedenktag 28. August)

Die Heiligsprechung rief jedoch erneut Kritik hervor. Viele Vertreter indigener Gruppen sahen in Serra keinen Heiligen, sondern einen Symbolträger für Kolonialismus, kulturelle Auslöschung und Leid. In den letzten Jahren kam es in Kalifornien immer wieder zu Protesten, bei denen Statuen von Junípero Serra beschädigt oder entfernt wurden – als Teil einer breiteren Auseinandersetzung mit kolonialer Vergangenheit und der Rolle der Kirche in der Missionierung Amerikas.

Junípero Serra bleibt somit eine vielschichtige Figur der Geschichte: ein Mann des Glaubens, ein unbeirrbarer Missionar, ein Erbauer Kaliforniens – aber auch ein Symbol für ein koloniales System, das tiefgreifende Spuren hinterlassen hat.

Fiktives Interview mit Junípero Serra.

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