Nach 1253 blieb Konrad von Hochstaden eine der prägenden Gestalten der Reichspolitik. Als Erzbischof von Köln, Kurfürst und enger Verbündeter des Papstes setzte er seine Politik der entschiedenen Gegnerschaft zum staufischen Kaisertum fort. Zugleich verschärften sich die Spannungen in seinem eigenen Herrschaftsbereich, allen voran mit der Stadt Köln und den benachbarten rheinischen Fürsten.
Reichspolitische Stellung
Auf der Ebene des Reiches stützte Konrad weiterhin König Wilhelm von Holland, der ohne die Rückendeckung der Kurfürsten und der rheinischen Kirche kaum Legitimität besaß. Konrad vermittelte Bündnisse, stellte Truppen und suchte, den Einfluss der staufischen Partei in Westfalen und am Niederrhein zurückzudrängen. 1254 beteiligte er sich zudem am Rheinischen Bund, einem Bündnis von Fürsten, Bischöfen und Städten, das Sicherheit und Handelsfreiheit entlang des Rheins gewährleisten sollte. Damit knüpfte er enge Beziehungen zu den aufstrebenden Handelsstädten und stellte sich zugleich als Garant von Ordnung und Frieden dar – ein Kontrapunkt zu den unruhigen Fehdeverhältnissen seiner eigenen Umgebung.
Konflikte mit der Stadt Köln
Gleichzeitig aber blieb das Verhältnis zu seiner eigenen Stadt Köln von erbitterten Auseinandersetzungen geprägt. Nach der gescheiterten Belagerung von 1248/49 war es Konrad nicht gelungen, die Bürgerschaft wieder unter seine Herrschaft zu zwingen. Vielmehr behauptete die Stadt ihre Selbstverwaltung und baute sie weiter aus. Zwischen Erzbischof und Bürgerschaft kam es zu einem zermürbenden Kleinkrieg: gegenseitige wirtschaftliche Blockaden, bewaffnete Scharmützel und diplomatische Manöver bestimmten das Bild. Für Konrad war es eine dauerhafte Quelle der Schwäche, dass er in seiner Residenzstadt keine unangefochtene Autorität mehr ausüben konnte.
Gefangennahme durch die Grafen von Jülich
Noch schwerwiegender war ein Vorfall in der Mitte der 1250er Jahre: Konrad geriet in die Gefangenschaft der Grafen von Jülich. Graf Wilhelm IV. von Jülich, ein energischer und ehrgeiziger Gegenspieler des Erzbischofs, nutzte eine militärische Auseinandersetzung, um Konrad festzusetzen. Dieses Ereignis, das um 1256 datiert wird, war eine schwere Demütigung. Dass ein Reichsfürst und Kurfürst von einem regionalen Grafen gefangen genommen werden konnte, zeigte die fragile Lage im Rheinland. Papst und König reagierten empört, doch es dauerte, bis Konrad freikam – vermutlich gegen hohe Geldzahlungen oder politische Zugeständnisse. Die Episode beschädigte seinen Nimbus erheblich: Ausgerechnet der Mann, der als Königsmacher im Reich galt, hatte persönlich eine tiefe Schwäche offenbart.
Tod Wilhelms von Holland
Ein weiterer Einschnitt erfolgte im Januar 1256/57, als König Wilhelm von Holland im Kampf gegen die Friesen fiel. Mit ihm verlor Konrad den Herrscher, dessen Thronerhebung er maßgeblich betrieben und dessen Politik er über ein Jahrzehnt gestützt hatte. Das Reich stürzte in das Interregnum, und die Frage der Nachfolge spaltete die Fürsten. Konrad bemühte sich, im Kreis der Kurfürsten einen neuen König zu finden, der die päpstliche Linie fortführen konnte. Seine Stimme blieb dabei von großem Gewicht, doch die allgemeine Unsicherheit schwächte die Position der Kurfürsten insgesamt.
Bilanz bis 1258
Bis 1258 war Konrad von Hochstaden ein Fürst in widersprüchlicher Lage.
Auf Reichsebene zählte er zu den wichtigsten Stimmen im Kurfürstenkollegium, prägte die Politik an der Seite Wilhelms von Holland und blieb einer der stärksten Vertreter der papsttreuen Partei.
Im Rheinland jedoch war seine Autorität stark erschüttert: Die Stadt Köln entzog sich seiner Herrschaft, die Nachbarfürsten wie Jülich wagten offene Konfrontation, und die persönliche Gefangenschaft hatte seine Stellung sichtbar geschwächt.
In dieser Spannung zwischen überregionalem Einfluss und innerer Machtkrise lag die Tragik seiner mittleren Regierungsjahre. Konrad blieb ein Reichsfürst von Gewicht, doch zugleich ein Erzbischof, der in seiner eigenen Stadt und Region um Anerkennung und Respekt ringen musste.
Teil 9 Teil 11

Kommentare
Kommentar veröffentlichen