Nach 1258 erlebte Konrad von Hochstaden die letzten, schwierigen Jahre seiner Herrschaft. Das Reich befand sich nach dem Tod König Wilhelms von Holland in einer Phase tiefer Unsicherheit. Das sogenannte Interregnum begann, in dem die Kurfürsten gespalten waren und konkurrierende Kandidaten aufstellten. Konrad, dessen Stimme als Kölner Erzbischof besonderes Gewicht besaß, war erneut in die Königswahlprozesse verwickelt – doch sein Einfluss war nicht mehr so unangefochten wie in den 1240er Jahren.
Kurfürstenpolitik im Interregnum
Nach Wilhelms Tod traten verschiedene Bewerber um die Krone auf, darunter Richard von Cornwall und Alfons von Kastilien. Die Kurfürsten spalteten sich in Lager, und auch Konrad musste abwägen, welcher Kandidat seinen Interessen und denen des Papstes am besten diente. Schließlich sprach er sich für Richard von Cornwall aus, der im Mai 1257 in Aachen gekrönt wurde. Mit dieser Entscheidung wollte Konrad einerseits die enge Verbindung zum Papsttum bewahren, andererseits aber auch einen Kandidaten unterstützen, der auf die rheinische Kirche angewiesen war.
Gleichzeitig versuchte er, im Kreis der rheinischen Fürsten den Frieden zu sichern. Die Gründung und Erneuerung rheinischer Bündnisse sollte den Handel auf dem Rhein schützen und zugleich Konrads Rolle als Friedenshüter unterstreichen. Doch die Machtkonstellationen im Rheinland blieben fragil, und seine Möglichkeiten, eine dauerhafte Ordnung zu schaffen, waren begrenzt.
Fortdauernde Konflikte mit der Stadt Köln
In seiner eigenen Stadt Köln blieb Konrad bis zuletzt in einer zermürbenden Auseinandersetzung gefangen. Die Bürgerschaft hatte ihre Eigenständigkeit nach der gescheiterten Belagerung 1248/49 gefestigt und ließ keine Rückkehr unter erzbischöfliche Herrschaft zu. Alle Versuche, mit Druck oder Verhandlungen wieder Einfluss zu gewinnen, blieben erfolglos. Köln entwickelte sich de facto zu einer freien Stadt im Reich, während der Erzbischof sich auf sein Umland und die Burgen des Erzstiftes stützen musste.
Späte Herrschaft und Tod
In diesen Jahren konzentrierte sich Konrad stärker auf die Festigung seiner territorialen Besitzungen am Rhein und in Westfalen. Er förderte Burgenbau und Stiftsgründungen und versuchte, das geistliche Leben durch Stiftungen und Schenkungen zu stärken. Besonders der Neubau des Kölner Domes blieb ein Symbol seiner Herrschaft: Auch wenn er das monumentale Werk nicht mehr vollendet sah, stand es am Ende seines Lebens als sichtbares Zeichen seiner Ambition, Köln zu einem geistlichen Zentrum von europäischer Bedeutung zu machen.
Am 18. September 1261 starb Konrad von Hochstaden in Köln. Seine letzten Jahre hatten gezeigt, wie sehr sein politischer Einfluss auf Reichsebene und seine Schwäche in der eigenen Stadt auseinanderfielen. Als Kurfürst und Reichsfürst hatte er den Gang der Reichspolitik über zwei Jahrzehnte hinweg entscheidend geprägt; als Stadtherr hingegen war er an den Mauern Kölns gescheitert.
Nachwirkung
Konrad wurde im Kölner Dom beigesetzt, dessen Grundsteinlegung er 1248 feierlich vollzogen hatte. So schloss sich der Kreis seines Wirkens: Der Bau, den er begonnen hatte, blieb als Vermächtnis einer Herrschaft, die gleichermaßen von großen politischen Ambitionen wie von inneren Kämpfen bestimmt war. Noch Jahrhunderte später erinnerte der Dom an den Erzbischof, der Königsmacher im Reich gewesen war – und doch nie die Tore seiner eigenen Stadt bezwingen konnte.
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