Albert von Jerusalem


Albert von Jerusalem war ein bedeutender Geistlicher und Kirchenpolitiker des späten 12. und frühen 13. Jahrhunderts. Er wurde um die Mitte des 12. Jahrhunderts in Norditalien geboren, vermutlich in Castel Gualtieri bei Parma. Über seine Herkunft und Jugend ist nur wenig Sicheres bekannt. Die frühen Quellen erwähnen ihn zunächst als Angehörigen der Regularkanoniker vom Heiligen Kreuz in Mortara in der Lombardei. Dort begann seine kirchliche Laufbahn, bevor er Prior und später Bischof wurde.

Im Jahr 1184 wurde Albert zum Bischof von Bobbio erhoben. Bereits wenige Jahre später übernahm er das bedeutendere Bistum Vercelli. In dieser Zeit entwickelte er sich zu einem angesehenen Vermittler in politischen und kirchlichen Konflikten Norditaliens. Mehrfach trat er als Schiedsrichter zwischen Städten, Adligen und geistlichen Institutionen auf. Seine Tätigkeit fiel in eine Epoche schwerer Auseinandersetzungen zwischen dem Papsttum, den norditalienischen Städten und dem römisch-deutschen Reich.

1205 ernannte Papst Innozenz III. Albert zum Patriarchen von Jerusalem. Da Jerusalem seit der Niederlage der Kreuzfahrer bei Hattin 1187 unter muslimischer Herrschaft stand, residierte der Patriarch nicht mehr in der Stadt selbst, sondern in Akkon an der Mittelmeerküste. Dort übernahm Albert eine zentrale Rolle innerhalb der Kreuzfahrerstaaten des Heiligen Landes. Er wirkte sowohl als geistlicher Leiter als auch als politischer Vermittler zwischen den verschiedenen Interessen der Kreuzfahrer, Ritterorden und europäischen Mächte.

Besondere Bedeutung gewann Albert durch seine Verbindung zum späteren Karmeliterorden. Eine Gruppe von Einsiedlern lebte damals am Berg Karmel und bat Albert um eine verbindliche Lebensordnung (Ordensregel). Zwischen etwa 1206 und 1214 verfasste er für diese Gemeinschaft eine Ordensregel. Diese sogenannte Albertregel bildet bis heute die Grundlage des Karmeliterordens. Sie verbindet Elemente des gemeinschaftlichen Ordenslebens mit einer stark kontemplativen und asketischen Lebensweise.

Die Regel verlangte ein einfaches Leben in Armut, regelmäßiges Gebet, Schweigen und persönliche Klausur innerhalb einzelner Zellen. Zugleich sah sie gemeinschaftliche Gottesdienste und den Gehorsam gegenüber einem Prior vor. Damit schuf Albert einen organisatorischen Rahmen für eine Gemeinschaft, die zuvor eher lose verbunden gewesen war.

Neben seiner kirchlichen Tätigkeit war Albert weiterhin stark in politische Verhandlungen eingebunden. Im Heiligen Land vermittelte er zwischen rivalisierenden Gruppen der Kreuzfahrerstaaten und stand in engem Kontakt mit dem Papsttum. Seine Autorität galt als bedeutend genug, dass selbst weltliche Herrscher seine Vermittlung suchten.

Albert starb am 14. September 1214 in Akkon. Nach der Überlieferung wurde er während einer Prozession in der Kirche vom Hospital des Heiligen Geistes ermordet. Als Täter gilt ein ehemaliger Geistlicher, gegen den Albert zuvor kirchliche Maßnahmen ergriffen hatte. Sein Tod wurde später als Märtyrertod angesehen.

Innerhalb des Karmeliterordens blieb Albert von Jerusalem von besonderer Bedeutung. Er gilt dort als Gesetzgeber und geistiger Vater der Gemeinschaft. Seine Ordensregel wurde später mehrfach bestätigt und leicht angepasst, blieb jedoch im Kern erhalten. Die Verehrung Alberts verbreitete sich vor allem innerhalb karmelitischer Traditionen Europas.

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