Ein Interview mit Engelbert von Berg, Erzbischof von Köln


Ein fiktives Interview mit Engelbert von Berg, welches ihn als Kind seiner Zeit verstehen helfen soll.

Frage: Euer Gnaden, Ihr seid nicht nur geistliches Oberhaupt von Köln, sondern auch ein mächtiger Reichsfürst. Kritiker sagen, Ihr kümmert Euch mehr um weltliche Politik als um die Seelsorge. Was entgegnet Ihr dem Vorwurf?

Engelbert von Berg:

Ich verstehe den Einwand wohl, doch darf man nicht vergessen: Ein Erzbischof im Heiligen Römischen Reich ist beides – Hirt der Seelen und Statthalter des Kaisers in seinem Gebiet. Mein Amt verlangt, dass ich Frieden sichere, Recht durchsetze und Handel fördere. Ohne geordnete Verhältnisse nützt die beste Predigt wenig. Die Menschen brauchen Brot und Sicherheit, bevor sie sich dem Heil widmen können. Wer die weltliche Macht aus der Hand gibt, überlässt das Feld Räubern, korrupten Vasallen und fremden Einflüssen. Ich diene also nicht zwei Herren, sondern ein und demselben: Christus, der Ordnung und Gerechtigkeit liebt.


Frage: Ordnung heißt in Eurem Fall oft harte Hand. Eure Feinde berichten von Enteignungen, Belagerungen und sogar der Hinrichtung von Adligen. Ist das noch christlich?

Engelbert von Berg:

Milde ist eine Tugend, ja. Aber Milde ohne Gerechtigkeit ist Schwäche. Ein Fürst, der zögert, das Schwert zu führen, wenn Unrecht geschieht, trägt Mitschuld am Leid der Unschuldigen. Ich habe Burgen schleifen lassen, die Räuber beherbergten, und Ländereien eingezogen, wenn ihre Besitzer Eid und Pflicht brachen. Das ist nicht Willkür, sondern Herrschaftspflicht. Selbst die Heilige Schrift sagt, dass der Hirt den Wolf vertreiben muss – und manchmal ist der Wolf in Menschenform.


Frage: Ihr wart einst Erzieher des jungen Königs Heinrich (VII.). Heute gilt das Verhältnis als zerrüttet. Was ist geschehen?

Engelbert von Berg:

Ein Königssohn wächst in einem Käfig aus Erwartungen auf. Ich habe versucht, Heinrich Demut und Maß beizubringen – zwei Tugenden, die ihm in seiner Stellung schwerfallen. Er wollte sich zu früh lösen, Ratgeber um sich scharen, die ihm schmeicheln, nicht widersprechen. Unser Zwist wurzelt darin, dass ich ihm Grenzen setzte, die er nicht akzeptieren wollte. Ich fürchte, ein Herrscher, der sich nur mit Jasagern umgibt, lenkt das Reich in gefährliche Wasser.


Frage: Es gibt Gerüchte, Ihr habt ein Netz von Spionen, das von Köln bis nach Rom reicht. Ist da etwas dran?

Engelbert von Berg:

(leichtes Lächeln) Nennt es, wie Ihr wollt. Ich nenne es Informationspflicht. Wer regieren will, muss wissen, was in seinen Städten, seinen Klöstern und an fremden Höfen geschieht. Das Evangelium mahnt, klug wie die Schlangen zu sein. Ich verlasse mich nicht auf Gerüchte aus zweiter Hand, sondern suche Gewissheit. Wenn ein Fürst blind ist, kann er nicht führen.


Frage: Zuletzt eine persönliche Frage: Fürchten Euch die Menschen mehr, als sie Euch lieben?

Engelbert von Berg:

Vielleicht. Liebe und Furcht sind in der Politik selten gleich verteilt. Doch ich hoffe, dass sie am Ende sagen: Er hat uns gerecht regiert, auch wenn er streng war. Ein Fürst kann nicht nur Freund aller sein – er muss auch Wächter sein. Und ein Wächter steht oft allein auf der Mauer.

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