Konrad von Hochstaden: Die Jugendjahre (14–20)
Mit dem Erreichen des vierzehnten Lebensjahres begann für Konrad von Hochstaden eine entscheidende Phase seines Werdegangs. Die ritterliche Knabenzeit, in der Reiten, Jagd und Waffenspiele den Alltag bestimmt hatten, lag hinter ihm. Nun trat er in eine Lebensstufe ein, die ihn endgültig für die Kirche formte – ohne dass die adlige Erziehung je ganz verschwand.
Erste Pfründe: Pfarrer von Wevelinghoven (1216)
Schon im Jahr 1216, also noch als Knabe, war Konrad mit der Pfarrei Wevelinghoven belehnt worden. Ein Kind konnte die Seelsorge selbstverständlich nicht selbst übernehmen; dafür stand ein Vikar bereit, der die Gemeinde betreute. Die Einkünfte aber flossen Konrad zu und sicherten seine Ausbildung. Solche Frühverleihungen waren im Hochadel üblich und markierten die endgültige Festlegung seiner Laufbahn: Konrad sollte Kleriker werden.
Ausbildung an der Kölner Domschule
Die Jahre zwischen 14 und 20 verbrachte Konrad höchstwahrscheinlich an der Domschule von Köln, die eng mit dem Domkapitel verbunden war. Dort erhielt er eine gründliche klerikale Ausbildung, die ihn auf seine spätere Rolle als Kanoniker und Amtsträger vorbereitete.
Er studierte das Trivium – Grammatik nach Donat und Priscian, Rhetorik und Dialektik – und lernte, korrektes Latein zu schreiben, Reden zu halten und logisch zu argumentieren. Ein wichtiger Teil seiner Ausbildung war die ars dictaminis, die Kunst des Urkunden- und Briefstils: Konrad wurde im Formulieren von Rechtsakten und im Aufbau stilistisch sicherer Schreiben geschult – ein Schlüsselwissen für jedes Domkapitel.
Hinzu kamen Liturgie und Musik: das tägliche Psalmengebet, der Chorgesang, die Einübung in das kirchliche Offizium. Er erlernte den computus, die Berechnung des Kirchenjahres und der Festzeiten. Auch das kanonische Recht war Teil des Unterrichts, mit einer Einführung ins Decretum Gratiani, das jedem Domherrn als Grundlage für Verwaltung und Rechtsprechung dienen musste. Schließlich erhielt er theologische Grundkenntnisse: Exegese von Psalmen und Evangelien sowie moralische Unterweisung.
Sein Tagesrhythmus war stark durch die Liturgie geprägt: Teilnahme an den Horen des Stundengebets, Unterrichtsblöcke dazwischen, geistliche Lesung und Disziplin im Alltag. Mit der Tonsur und den niederen Weihen, die in dieser Phase üblich waren, wurde er auch äußerlich als Kleriker kenntlich gemacht.
Parallel: die adlige Lebensführung
Obwohl Konrad nun Kleriker war, durfte die standesgemäße Ausbildung des Adeligen nicht fehlen. Zeitgenössische Berichte zeigen, dass viele spätere Bischöfe in jungen Jahren an Turnieren teilnahmen oder zumindest im Reiten und in der Jagd geübt waren. Auch Konrad dürfte in Pausen und Freistunden das Reiten trainiert, an Jagdgesellschaften teilgenommen und die höfischen Umgangsformen geübt haben, die bei Banketten und Empfängen unerlässlich waren.
Diese ritterliche Erziehung war nicht bloß Zierde, sondern bildete das soziale Kapital, mit dem ein Domherr aus dem Hochadel im Kreis von Rittern, Grafen und Fürsten bestehen konnte.
Die Integration ins Domkapitel
Spätestens 1226 wird Konrad als Domherr in Köln greifbar. Damit war er voll in das Kölner Domkapitel integriert. Er hatte nun Sitz und Stimme in der Gemeinschaft der Kanoniker, war zur Chorpflicht verpflichtet und musste regelmäßig an Gottesdiensten und Versammlungen teilnehmen. Seine Präbende, die Einkünfte aus seinem Kanonikat, stellte ihn materiell auf sichere Füße.
Schon als junger Domherr konnte er kleinere Aufgaben übernehmen: das Siegeln von Urkunden, die Betreuung von Altarstiftungen oder die Verwaltung kleinerer Kapitelgüter. Damit war Konrad nun nicht mehr bloß Schüler, sondern Mitglied der geistlichen Führungsschicht Kölns.
Habitus zwischen Ritter und Kleriker
Die Jahre zwischen 14 und 20 machten Konrad zu einer Persönlichkeit mit einem doppelten Habitus. Einerseits war er der gebildete Kleriker, geschult in Latein, Liturgie, Recht und Verwaltung. Andererseits blieb er der adlige junge Mann, vertraut mit Pferd, Jagd und höfischem Benehmen.
Diese Doppelprägung war kein Zufall, sondern typisch für die hochadeligen Kleriker seiner Generation. Sie erklärt, warum Konrad später nicht nur als Seelsorger auftreten konnte, sondern auch als politischer Fürst, Verwalter und Heerführer.

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