Konrad von Hochstaden - Eine Biographie. (Teil 8)


Die Jahre bis 1248.

Nach 1243 trat Konrad von Hochstaden immer deutlicher als einer der führenden Vertreter der papsttreuen Partei im Reich hervor. Die Verkündigung der Absetzung Kaiser Friedrichs II. auf dem Konzil von Lyon im Juli 1245 fand seine volle Unterstützung. Für Konrad war dies nicht nur ein Akt kirchlicher Loyalität, sondern auch ein machtpolitischer Gewinn: Ein geschwächter Kaiser eröffnete ihm größere Handlungsspielräume, sowohl im Erzstift als auch im Reich.

Seine politische Bedeutung zeigte sich bei den Königswahlen. Als Kurfürst spielte Konrad 1246 eine Schlüsselrolle bei der Erhebung Heinrich Raspes von Thüringen zum Gegenkönig. Auch wenn Heinrichs Herrschaft nur kurz währte, hatte Konrad damit bewiesen, dass er als „Königsmacher“ im Reich zu den entscheidenden Stimmen gehörte. Nach Heinrichs Tod führte er die antistaufische Politik unbeirrt fort und setzte sich 1247 für die Wahl Wilhelms von Holland ein. Mit der Erhebung Wilhelms, eines jungen und vom Papst abhängigen Herrschers, hoffte er, die päpstliche Linie dauerhaft im Reich zu verankern.

Parallel dazu entfaltete Konrad eine rege Bautätigkeit, die seiner Herrschaft auch eine repräsentative Dimension verlieh. Am 15. August 1248, dem Fest Mariä Himmelfahrt, legte er feierlich den Grundstein für den Neubau des Kölner Domes. Der Baubeginn war ein geistliches wie politisches Signal: Der neue Dom sollte die Bedeutung der Kölner Kirche als Metropolitansitz und Wallfahrtsort der Reliquien der Heiligen Drei Könige hervorheben. Gleichzeitig unterstrich Konrad damit seinen Anspruch, Köln zum religiösen und politischen Zentrum im Reich zu erheben.

Doch während er mit dem Domneubau die geistliche Strahlkraft Kölns förderte, kam es in denselben Jahren zu schweren militärischen Auseinandersetzungen. Die Stadt Köln strebte nach größerer Unabhängigkeit und stellte sich gegen die Herrschaft des Erzbischofs. 1248 eskalierte der Konflikt: Konrad zog mit einem Heer gegen die Stadt, ließ sie einschließen und begann eine Belagerung. Unterstützt wurde er dabei von verbündeten Fürsten und vom neuen König Wilhelm von Holland, der selbst im Spätsommer 1248 vor Köln erschien. Die Belagerung führte zur teilweisen Zerstörung der städtischen Befestigungen und verdeutlichte, wie ernst Konrad die Durchsetzung seiner landesherrlichen Rechte nahm.

Damit zeigt sich in dieser Phase ein doppeltes Bild: Auf Reichsebene stand Konrad als enger Partner des Papstes und Königsmacher im Zentrum der großen Politik; zugleich aber kämpfte er mit aller Macht darum, seine Stellung gegenüber der eigenen Stadt durchzusetzen. Der Grundstein des Domes und die Kanonen der Belagerung stehen sinnbildlich nebeneinander – Ausdruck einer Herrschaft, die auf geistlicher Repräsentation ebenso beruhte wie auf militärischer Gewalt. Bis 1248 hatte Konrad damit die Grundlagen für seine spätere, noch machtvollere Rolle gelegt, auch wenn der Konflikt mit Köln zeigte, wie brüchig die Macht des Erzbischofs im eigenen Herrschaftsbereich sein konnte.

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