Postumus – Köln als Hauptstadt eines römischen Gegenkaisers


Der römische Gegenkaiser Postumus gehört zu den eindrucksvollsten Gestalten der sogenannten Reichskrise des 3. Jahrhunderts – und seine Herrschaft ist eng mit Köln verbunden. Denn unter Postumus wurde die Colonia Claudia Ara Agrippinensium nicht nur ein regionales Zentrum, sondern faktisch zur Hauptstadt eines eigenen Reiches.

Über die Herkunft des Postumus ist nur wenig Sicheres bekannt; wahrscheinlich stammte er aus den nordwestlichen Provinzen des Imperiums. In den 250er Jahren n. Chr. trat er als Militärführer am Rhein in Erscheinung, wo er eine zentrale Rolle bei der Verteidigung der Grenze gegen germanische Gruppen spielte.

Im Jahr 260 n. Chr. kam es zur entscheidenden Wende. Nach der Gefangennahme des Kaisers Valerian durch die Sassaniden zerfiel die kaiserliche Autorität in weiten Teilen des Reiches. In dieser Situation erhoben die Truppen am Rhein Postumus zum Kaiser. Er setzte sich gegen den kaiserlichen Vertreter Saloninus durch, den Sohn des Kaisers Gallienus, der sich in Köln aufhielt.

Postumus ließ Köln belagern, nahm die Stadt ein und ließ Saloninus töten. Anschließend etablierte er hier sein Machtzentrum. Köln wurde damit zur politischen und militärischen Drehscheibe des sogenannten Gallischen Sonderreiches, das neben Gallien auch Britannien und zeitweise Hispanien umfasste.

Bemerkenswert ist, dass Postumus nicht einfach als Usurpator agierte, sondern eine stabile Herrschaft aufbaute. Er organisierte Verwaltung und Militär nach römischem Vorbild, ließ Münzen prägen und sicherte die Rheingrenze erfolgreich über mehrere Jahre. Für die Bewohner der westlichen Provinzen bedeutete seine Herrschaft vor allem eines: Stabilität in einer Zeit, in der das zentrale Kaisertum zunehmend an Kontrolle verlor.

Köln profitierte von dieser Entwicklung erheblich. Als Sitz der Regierung und des Militärs gewann die Stadt weiter an Bedeutung und blieb ein zentraler Ort römischer Macht im Nordwesten des Reiches.

Das Ende des Postumus kam im Jahr 269 n. Chr. – und es war ebenso gewaltsam wie sein Aufstieg. Nach einem Aufstand in Mainz verweigerte er seinen Soldaten offenbar die Plünderung der Stadt. Daraufhin wurde er von den eigenen Truppen erschlagen.

Postumus’ Geschichte zeigt eindrucksvoll, wie sich in Krisenzeiten neue Machtzentren bilden konnten. Für Köln bedeutete seine Herrschaft eine Phase besonderer politischer Bedeutung: Für einige Jahre war die Stadt nicht nur Teil des Römischen Reiches – sondern das Zentrum eines eigenen Kaisertums.

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