Bilokation in Selbst- und Fremdwahrnehmung III


Bilokation ist ein faszinierendes Phänomen. Doch wie haben die betreffenden Personen es selbst wahrgenommen und wie ihr direktes Umfeld im Augenblick des Geschehens?


11. Gerard Majella (1726–1755)

Selbstwahrnehmung:

> „Der Herr führte mich zu den Kranken, während ich im Kloster betete; ich weiß nicht, wie dies geschieht.“


Wahrnehmung durch andere:

Mitbrüder sahen ihn betend, normal. Keine Abwesenheit. Gleichzeitig berichteten Familien in Muro Lucano, er habe ihnen beigestanden.


12. Catherina de’ Ricci (1522–1590)

Selbstwahrnehmung:

> „Ich sah ihn (Philipp Neri) und sprach mit ihm, und doch wusste ich, dass mein Leib hier blieb.“


Wahrnehmung durch andere:

Mitschwestern beobachteten sie betend, still, halb geöffnete Augen, unverändert. Keine körperliche Veränderung. 


13. Mère Yvonne-Aimée de Jésus (1901–1951)

Selbstwahrnehmung:

> „Mein Leib blieb hier, und doch war ich zugleich woanders.“

Kein Gefühl der Bewegung; gleichzeitige Gegenwart; kein Trancezustand.


Wahrnehmung durch andere:

Mitschwestern sahen sie arbeitend oder betend, völlig normal, keine Unterbrechung. Zeitgleich wurde sie andernorts real gesehen (z. B. durch P. Paul Labutte). Im Kloster: unverändert, aktiv; am anderen Ort: ansprechbar, real.


14. Natuzza Evolo (1924–2009)

Selbstwahrnehmung:

> „Ich fand mich plötzlich im Haus meines Vaters in Argentinien, ohne zu wissen, wie ich gekommen bin.“

Kein Bewegungsgefühl; unmittelbares „Da-sein“.


Wahrnehmung durch andere:

In Kalabrien bemerkte niemand ihre Abwesenheit; gleichzeitig berichteten Zeugen in Argentinien, sie sei real erschienen. Sie blieb äußerlich ruhig und tätig.


15. Padre Pio (1887 – 1968)

Selbstwahrnehmung:

Padre Pio selbst gab gegenüber kirchlichen Untersuchungen zu Protokoll:

> „Ich weiss nicht, wie es ist oder die Natur dieses Phänomens — und ich denke ganz gewiss nicht viel darüber — aber es ist mir passiert, in der Gegenwart dieser oder jener Person, an jenem oder diesem Ort zu sein; ich weiss nicht, ob mein Geist dort hintransportiert wurde, oder ob ich eine Art Darstellung des Ortes oder der Person sah. Ich weiss nicht, ob ich mit meinem Körper dort war oder ohne ihn.“ 

Er sprach also davon, gleichzeitig „an einem andern Ort“ gewesen zu sein, allerdings ohne Klarheit darüber, ob Leib oder Geist „gereist“ seien. 


Wahrnehmung durch andere:

Zeugen berichteten, dass Padre Pio am gewohnten Ort (z. B. im Kloster von San Giovanni Rotondo) vollkommen normal anwesend war: Sein Körper war sichtbar, er betete oder wirkte sakramental, ohne äußerlich erkennbar verändert. Gleichzeitig existieren zahlreiche Berichte von Menschen an ganz anderen Orten, die ihn gesehen oder erlebt haben sollen: etwa eine Krankenschwester in den USA, eine amerikanische Bomberbesatzung über Italien während des Zweiten Weltkriegs, die einen friarhaften Mann am Himmel über San Giovanni Rotondo sah – später als Padre Pio identifiziert. 

Damit ergibt sich: Für die Mitbrüder war er äußerlich „wie immer“, doch für Außenstehende erschien er „an einem andern Ort“.

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