Köln contra Köln I



Der Bürgeraufstand von 1074.

1. Zeitrahmen: 1074
2. Erzbischof: Anno II.
3. Worum ging es?
Offener Aufstand gegen erzbischöfliche Stadtherrschaft und Strafgewalt.
4. Position des Erzbischofs:
Uneingeschränkter Anspruch auf Herrschafts- und Strafgewalt.
5. Position der Stadt Köln:
Kollektiver Widerstand gegen als willkürlich empfundene Gewalt.

Im Jahr 1074 kam es in Köln zu einem bewaffneten Aufstand der städtischen Bevölkerung gegen den amtierenden Erzbischof Anno II.. Dieses Ereignis steht nicht isoliert, sondern ist in den zeitgenössischen Quellen als Ergebnis vorausgehender Spannungen zwischen Erzbischof und Stadtbevölkerung erkennbar.
Anno II. übte in Köln nicht nur geistliche, sondern auch weltliche Herrschaftsrechte aus. Die erzählenden Quellen des 11. Jahrhunderts berichten wiederholt von einer strengen, teilweise gewaltsamen Ausübung dieser Herrschaft. Lampert von Hersfeld schildert Anno als einen Erzbischof, der mit Härte gegen tatsächliche oder vermeintliche Gegner vorging. Auch für Köln ist überliefert, dass Anno strafend gegen Einwohner der Stadt einschritt. Die genauen Anlässe dieser Strafmaßnahmen werden in den Quellen nicht detailliert ausgeführt; sie werden jedoch als Auslöser einer breiten Unzufriedenheit innerhalb der Bürgerschaft benannt.
Im Jahr 1074 eskalierte diese Situation. Nach Lampert von Hersfeld erhoben sich die Kölner Bürger bewaffnet gegen den Erzbischof. Der Aufstand richtete sich unmittelbar gegen die erzbischöfliche Herrschaft in der Stadt. Im Verlauf der Erhebung wurden erzbischöfliche Gebäude angegriffen und zerstört. Die Annales Colonienses bestätigen für dieses Jahr schwere Unruhen in Köln und vermerken ebenfalls Zerstörungen im Zusammenhang mit dem Aufstand.
Die Quellen lassen erkennen, dass es sich nicht um eine spontane Einzelaktion, sondern um ein kollektives Vorgehen eines Teils der städtischen Bevölkerung handelte. Eine organisierte städtische Führung im späteren Sinne ist jedoch nicht belegt. Ebenso berichten die Quellen nichts über programmatische Forderungen der Aufständischen; greifbar ist allein die gewaltsame Abwendung gegen die Person und die Herrschaft des Erzbischofs.
Der Aufstand wurde schließlich niedergeschlagen. Anno II. behauptete seine Stellung in Köln und stellte die erzbischöfliche Ordnung wieder her. Über das Ausmaß nachfolgender Strafmaßnahmen schweigen die Quellen weitgehend; sie machen jedoch deutlich, dass die erzbischöfliche Gewalt kurzfristig erneut durchgesetzt werden konnte.
Der Bürgeraufstand von 1074 ist damit als historisches Ereignis sicher bezeugt. Die zeitgenössische Überlieferung zeigt ihn als Kulminationspunkt bereits bestehender Spannungen zwischen erzbischöflicher Herrschaftsausübung und städtischer Bevölkerung. Er stellt den frühesten eindeutig belegten Fall dar, in dem sich Kölner Bürger offen und bewaffnet gegen ihren Erzbischof erhoben.

Kommentare