Konrad von Hochstaden - Eine Biographie. (Teil 2)


Rekonstruktion der frühen Kindheit Konrads von Hochstaden (bis ca. 7 Jahre)

Konrad von Hochstaden wurde um das Jahr 1205 auf der Burg seiner Familie geboren – einem befestigten Wohnsitz mit Hof, aber auch mit engen, dunklen Räumen und dem Geruch von Rauch, Pferden und nassem Holz. Für ein Neugeborenes des Hochadels war die Welt von Anfang an zweigeteilt: einerseits Schutz und Fürsorge, andererseits die Härte und Nüchternheit einer mittelalterlichen Burg.

Die ersten Jahre: Amme, Frauenstube und Abgeschiedenheit

Wie alle Kinder seines Standes wurde Konrad nicht von seiner leiblichen Mutter großgezogen, sondern von einer Amme – meist eine Frau aus bäuerlichem oder niederem Stand, die ihr eigenes Kind abgestillt hatte, um nun das Herrenkind zu nähren. Um sie herum standen Bedienstete, die sich um das tägliche Wohl des Knaben kümmerten.

Die Frauenstube der Burg war sein erster Lebensraum. Hier lernte er laufen, sprechen und unterscheiden, wem er gehorchen musste. Er wuchs umgeben von Dienerinnen, Näherinnen und Küchenmägden auf, die ihn umsorgten, ihm Geschichten erzählten und ihn mit den Gebräuchen des Hauses vertraut machten.

Frühkindliche Prägung: Religion und Standesbewusstsein

Sehr früh wurde er mit Gebeten und religiösen Symbolen konfrontiert. Ein Hauskaplan oder ein Kleriker im Dienst seiner Eltern segnete das Kind, hielt die erste Messe zu seinen Ehren und flößte ihm die Grundlagen des Glaubens ein. Er hörte, noch ehe er die Worte verstand, täglich das lateinische Ave Maria oder den Psalmengesang.

Gleichzeitig erhielt er ein Bewusstsein dafür, dass er etwas Besonderes war:

Sein Gewand war feiner als das der Dienerkinder.

Er durfte nicht einfach alles tun, sondern wurde an höfische Formen gewöhnt.

Schon früh lernte er, dass er „Herr“ war, auch wenn er selbst noch klein und schwach war.

Erziehung durch Frauen – und ihre Grenzen

Bis etwa zum siebten Lebensjahr lag die Verantwortung für Konrad ganz in den Händen der Frauen des Hauses. Sie lehrten ihn Benehmen, Tischsitten, erste Umgangsformen und erzählten Geschichten von Heiligen, Helden und Ahnen.

Doch diese weibliche Sphäre hatte im Hochadel klare Grenzen. Man war überzeugt, dass Knaben ab einem bestimmten Alter nicht länger in der Obhut von Frauen bleiben dürften, da sie sonst verweichlichten. Ein Junge sollte Manneszucht und Kriegstüchtigkeit lernen – und diese konnte nur von Männern vermittelt werden.

Der Übergang mit sieben Jahren

Mit ungefähr sieben Jahren wurde Konrad feierlich aus der Obhut der Amme und der Dienerinnen genommen. Dies war ein Ritual des Übergangs:

Er erhielt erstmals kleine Waffenattrappen (ein Holzschwert oder einen Dolch).

Sein Haar konnte nach ritterlicher Sitte geschnitten werden.

Er wurde in die Obhut eines Knappenmeisters oder Erziehers gegeben, oft ein erfahrener Ritter oder ein Verwandter.

Von diesem Zeitpunkt an veränderte sich sein Alltag grundlegend: Statt in der Frauenstube verbrachte er seine Tage nun im Hof, Stall und Übungsplatz, wo er das Reiten, Jagen und erste ritterliche Tugenden erlernte.

Zusammenfassung

0–7 Jahre: Aufwachsen bei Amme und Bediensteten, Erziehung durch Frauen, geprägt von Religion, Standesbewusstsein und ersten höfischen Sitten.

Ab 7 Jahren: Entzug aus der Frauenwelt, Übergang in die Welt der Männer, Beginn der ritterlichen Ausbildung.

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